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Korruption und kein Ende

Korruptionsskandal in Benidorm?
Auch in Benidorm wurde gegen die Stadtregierung gerichtliche Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht eingeleitet. Die Anzeige an den Generalstaatsanwalt in Madrid wurde vom Sprecher der sozialistischen Opposition, Augustín Navarra, vorgenommen. Die Anklage richtet sich gegen den Bürgermeister und den Kulturstadtrat, denen bei Vertragsabschlüssen im Zusammenhang mit großen Events in der Stadt im Jahr 2002 und 2004 Ungesetzmäßigkeiten vorgeworfen werden.
Im ersten Fall handelt es sich um ein Konzert, welches am 8. August 2002 mit der Gruppe Navajita Plateá ausgetragen werden sollte und das für rund 20.000 Euro mit der Firma Star Lan S.L. vertraglich vereinbart wurde. Der Auftritt wurde wegen der schlechten Wetterbedingungen jedoch abgesagt. Zwei Jahre später verzichtete der Bürgermeister, zum Nachteil der Stadtkasse, auf die Zurückzahlung der vorgeleisteten Rechnungen.
In einem weiteren Fall geht es um einen Vertragsabschluss von 1.1. Millionen Euro mit der Firma Mundisenti2 Eventos S.L.. In diesem Fall wird die Art des Vertragsabschlusses untersucht, die entsprechenden Klauseln, sowie die vom Bürgermeister verteilten Karten an bestimmte Firmen, um auf diese Weise mehr Geld einzunehmen. (10.04.2006)


Öffentliche Ämter zur persönlichen Bereicherung - Korruption in Spanien

Tageszeitungen in ganz Spanien beschäftigen sich dieser Tage mit den Korruptionsfällen im Land Valencia und Marbella.

Immobiliendeal und ungeklärte Privateinkünfte
Schon im März 2004 gerät Bürgermeister Mateo von Torrevieja durch dubiose Millionengeschäfte in die Schlagzeilen. Wie die Oppositionsparteien damals aufdeckten, wurden in den Jahren 1999 bis 2003 Rechnungen in Millionenhöhe beglichen, ohne den Stadtrat fristgemäß darüber zu informieren. Die Liste der ohne Ratsbeschluss bezahlten Dienstleistungen ist lang und geht bis zu Festakten und Politempfängen. Hierfür wurden z.T. außerordentliche Kredite aufgenommen, die weder im Haushaltsplan vorgesehen noch vom Stadtratsbeschluss genehmigt waren. Öffentliche Ausschreibungen für städtische Projekte habe es mitunter nicht gegeben. Mateo hingegen bezeichnet sein Demokratieverständnis als "ganz normal" und "es fehlte halt die Zeit".

Im Juli 2000 kaufte er mit seiner Frau 3 Fincas im Raum Almoradi für 180.000.- Euro und verkaufte diese nur zweieinhalb Jahre später für über 5,4 Millionen Euro an einen lokalen Bauträger, welcher auch bereits mehrere Hunderte Wohnungen in Torrevieja fertig stellte. Die Baufirma erklärte auf den erworbenen Grundstücken derzeit keine Bauvorhaben, es gebe aber "die klare Erwartung eines zukünftigen städtebaulichen Wachstums".
Zwischenzeitlich hat das Immobilienunternehmen Eden del Mar, welches Mateo ein Grundstück zum überhöhten Preis abgekauft hat, offiziell bei der Stadtverwaltung nach der Genehmigung ihres Projektes "El Limonar" nachgefragt.

Noch während die Staatsanwalt für Korruptionsdelikte im Immobiliendeal ermittelt, kommen weitere Ungereimtheiten über die Einnahmen von Bürgermeister Mateo ans Tageslicht. Woher die Einzahlungen auf seinem Konto von 140.000.- Euro innerhalb eines halben Jahres stammen, konnte der BM während einer Pressekonferenz nicht klären. Von Januar bis Juli des Jahres gingen auf seinem Konto bei der CAM-Bank 13 Checks ein sowie Überweisungen in Höhe von 2.600.- bis 48.000.- Euro, obwohl er laut Vernehmung keine anderen Einkünfte als aus seiner Abgeordneten-Tätigkeit und dem Verkauf des Obstes auf seinem Landgut erziele.
Auf Drängen der Opposition kam nun ans Licht, dass Mateo auf einem seiner Konten in fünf Jahren mehr als 512.00 Euro eingezahlt hat. Woher das Geld stammt, das mit Schecks eingelöst wurde, ist bislang nicht bekannt. Sein Einkommen als Landtagsabgeordneter - in vier Jahren 112.000 Euro - ging auf ein anderes Konto.

Geld stink in Orihuela nicht
Erst vor 4 Jahren wurde der Ex-Bürgermeister von Orihuela, Luis Fernando Cartagena, wegen Veruntreuung zu 4 Jahren Haft verurteil - die er bis Heute nicht antreten brauchte. Die Nonnen der Karmeliterinnen überreichten Cartagena damals 50.000.- Euro als Restbetrag, welcher nach der Schließung des städtischen Krankenhauses übrig geblieben war. Die Summe, so der Wunsch der Karmeliterinnen, möge die Stadtverwaltung in karikative Tätigkeiten stecken. Der Bürgermeister steckte jedoch das Geld in seine eigene Tasche. Damals mit auf der Anklagebank saß der Unternehmer Angel Fernoll. Er hatte Cartagena fingierte Rechnungen über die 50.000.- Euro ausgestellt.
Im Schatten dieser Veruntreuung kam der völlig unerfahrene Medina auf den Stuhl des Bürgermeisters in Orihuela. Und auch Fenoll, Colsur-Chef der Müllabfuhr im Raum Orihuela taucht wieder im neusten Skandal um Bürgermeister Medina auf. Bei der neuen Vergabe für die Aufträge der Müllabfuhr und Straßenreinigung geht es um einen Auftrag von mindestens 210 Millionen Euro. Fenoll hatten diesen Auftrag aus den 80er Jahren immer wieder verlängert bekommen. Bei der Ausschreibung im Oktober 2005 landete Fenoll mit seinem Unternehmen bei der Bewertung jedoch nur auf Platz 4. Die Fachleute der Stadtverwaltung hatten der Firma "Urbaser" aus Madrid die besten Noten vergeben.

Doch der "Müllkönig" Fenoll schlägt zurück. Kurz bevor der Finanzausschuss über die Auftragsvergabe entschied, legt Fenoll der Presse ein Video vor, aus dem hervor geht, dass Urbaser dem Bürgermeister Medina und den Fachteam 2 Millionen Euro angeboten haben soll. Medina beugt sich nun dem Druck von Fenoll und lässt durch 2 Gutachter die Rechtmäßigkeit der Ausschreibung prüfen, sowie es seine Kontrahentin Lorente bereits gefordert hatte.
Medina und die an der Bestechung beteiligten Firma bestreiten die Vorwürfe, die involvierten Stadträte schweigen zu den Beschuldigungen. Der Staatsanwalt für Korruption nahm den neuen Fall zu seinen Akten, dessen Umfang mittlerweile steigen. Auch Medina steht durch Korruptionsvorwürfe auf der Anklageliste der Staatsanwaltschaft. Sein 92.000.- Euro teurer Luxus-Audi sei eine freundliche Leihgabe eines lokalen Bauunternehmers, welcher Bauprojekte durch den Stadtrat genehmigt bekommt. Die 800.000.- Euro teure Luxus-Villa und sein Rolls-Royce gehören einem Bauunternehmer, welcher durch Genehmigungsverfahren ebenfalls von der Stadtverwaltung profitiert. Laut Medina habe er alles ehrlich gekauft, konnte bisher jedoch nicht den vollen Preis zahlen.

Der Antikorruptionsstaatsanwalt ermittelt zwischenzeitlich in rund 30 Delikten gegen den Bürgermeister von Orihuela, welcher sich durch seinen gnadenlosen Führungsstil im Rathaus wenig Freunde macht. Die Anklage schließt 5 Stadträte und mehrere Unternehmen ein.

In Alicante verschwinden Millionen spurlos
Bereits im September 2003 wurden Ermittlungsverfahren gegen den Bürgermeister Alperi von Alicante gemeinsam mit dem Stadtrat Zaragoza und Ex-PP-Stadtrat Galant eingeleitet. Das Verfahren, in dem 6 Millionen Euro aus Geschäften der Firma Mercalicante, ein Unternehmen der öffentlichen Hand, spurlos verschwunden sind, ist bis Heute nicht abgeschlossen. Der ehemalige Leiter der Firma Mercalicante, Clavero, steht im Verfahren als Hauptangeklagter vor Gericht. Im Juli 2005 scheiterten die drei Rathauspolitiker mit dem Versuch, das Gericht zur Einstellung des Verfahrens zu bewegen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Bürgermeisterin von Marbella verhaftet
Im Nobelbadeort Marbelle wurden bei einer Razzia neben der Bürgermeisterin Yagüe gleich noch 15 weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung wegen Korruptionsvorwurf verhaftet. Die Polizei durchsuchte dabei die Büros und auch die Privatwohnungen der Festgenommenen. Auch für den Baustadtrat der Stadt, Roca, wurde ein Haftbefehl wegen Bestechung, Unterschlagung und illegale Einflussnahme ausgestellt.
Die Stadt der Hübschen und Reichen gilt seit Jahren als eine Hochburg der Korruption. Während der Eigenheimbesitzer für eine Holzlaube in seinem Garten eine Genehmigung aus dem Rathaus einholen muss, wurden Großteile der 80.000 Gebäude der Stadt ohne Genehmigungen illegal errichtet.
Die spanische Regierung hat zwischenzeitlich den gesamten Stadtrat von Marbella abgesetzt. Die Regierung der Region Andalusien hat auf Grund der exorbitanten Misswirtschaft ein Verfahren angestrebt, um der Stadt die Zuständigkeit für Bauplanung und Raumordnung zu entziehen.

Die Liste der Veruntreuungen, Bestechungen und Amtsmissbräuche läßt sich an der ganzen Küste und in ganz Spanien fast beliebig fortsetzen. Die "Mallorca Zeitung" berichtet in seiner Ausgabe vom 6.04.2006 über die Korruptionsprobleme auf der Ferieninsel. Öffentliche Ämter werden ohne jedes Rechtsbewusstsein zur persönlichen Bereicherung und zur Profilsucht degradiert. Dies scheint in der spanische Kultur verwurzelt und aus der Franco-Geschichte vom Volk akzeptiert zu sein wie Paella, Stierkampf und Flamenco.
Doch die Zeiten für unersättlich gierige Bürgermeister und Stadträte, Grundstücks- und Bauspekulanten, Müllbarone und andere Rechtsverletzer haben sich geändert. Auch wenn diese erst vom Antikorruptionsstaatsanwalt darauf verwiesen werden müssen.

Weitere Quellen:
Bürgermeisterin in Spanien wegen Korruption festgenommen

Spanische Bürgermeisterin nun in Untersuchungshaft
Nebeneinkünfte von Torreviejas Bürgermeister veröffentlicht

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