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"La
Banda de los Peruanos"
Organisierte Kriminalität auf der A 7
CBN-Reporter
begleiten Spezialeinheit der Guardia Civil bei ihrem täglichen
Kampf gegen die Bande
Janette
Vehse (Text) Leif Piechowski (Fotos) [Barcelona]
Die "Banda
de los Peruanos" – in Barcelona ist sie in aller Munde. Ob
Taxifahrer oder Putzfrau, über die südamerikanischen Banditen
weiß man Bescheid. Und das obwohl die Opfer der Überfälle
ausschließlich Touristen sind. Diese dagegen tappen immer
wieder ahnungslos in die Falle. 811mal allein im letzten Jahr
auf dem kurzen gebührenfreien Teil der Autobahn A 7 bei Barcelona.
Immer
auf die gleiche Weise laufen die Überfälle der Peruaner ab:
Während der Fahrt machen sie die Urlauber mit Handzeichen
darauf aufmerksam, daß etwas mit dem Wagen nicht in Ordnung
sei. Die beunruhigten Touristen halten auf dem Seitenstreifen
an, während die "hilfsbereiten" Fremden ebenfalls aussteigen
und den vermeintlichen Defekt suchen. Dies generell auf der
rechten Seite des Fahrzeugs, um die Aufmerksamkeit von demjenigen
abzulenken, der auf der Fahrbahnseite vorbeischleicht und
Wertgegenstände aus dem Auto der Opfer stiehlt. Nach wenigen
Sekunden ist alles vorbei, wie Augenzeuge Sigurd Tesche in
der CBN Nr. 852 vom 14. April beschrieben hat. Die Diebe steigen
in ihren gestohlenen PKW und rasen davon. Die ahnungslosen
Opfer merken oft erst an der nächsten Zahlstelle, daß sie
um ihr Hab und Gut erleichtert wurden.
Seit
nunmehr zehn Jahren agieren die Südamerikaner auf der Autobahn,
und seit ebenso langer Zeit existiert eine Einsatzgruppe der
Guardia Civil, die sich ausschließlich um die "Banda de los
Peruanos" kümmert.
14 Beamte
und vier zivile Fahrzeuge sind im ständigen Einsatz, um die
A 7 bei Barcelona zu bewachen. Im letzten Jahr kam es zu 93
Festnahmen. Die Bande besteht nach Erkenntnissen der Guardia
Civil aus 98 Männern und 40 Frauen.
Schüsse
auf der A 7
Bisher waren die Überfälle der Peruaner immer gewaltlos
abgelaufen. Bis zu jenem Freitag, an dem zwei Redakteure der
CBN die Guardia Civil bei einer Patrouillenfahrt begleiten.
Jenem Tag, an dem Schüsse auf der A 7 fallen.
Drei Bandenmitglieder
waren mittags bei einem erneuten Überfall überrascht worden
und hatten auf einen Polizisten gefeuert. Über Funk wird um
12.23 Uhr eine Großfahndung nach dem flüchtigen Tatfahrzeug
– einem silbernen BMW, vermutlich 5er Klasse – eingeleitet.
Die Spannung in dem Zivilfahrzeug ist zum Zerreißen. Mit Höchstgeschwindigkeit
wird der Wagen durch den dichten Verkehr manövriert, während
die Beamten ihre Dienstwaffen bereithalten. Angestrengt wird
dem Polizeifunk gelauscht. Die Polizisten in der Zivilstreife
zeigen sich erschüttert über die plötzliche Brutalität der
Peruaner. Kurz zuvor hatte man noch beteuert, daß sie nie
eine Waffe dabei hätten. Schüsse auf einen Kollegen, das hat
man von den Peruanern noch nicht erlebt.
An allen
Autobahnausfahrten postieren sich Einsatzfahrzeuge der Guardia
Civil, um das Fahrzeug mit dem Kennzeichen von Barcelona zu
stoppen. Schließlich wird einer der Täter in Sitges, einem
Ort südlich von Barcelona, gestellt. Der Polizist, auf den
geschossen wurde, blieb glücklicherweise unverletzt.
Resignierte
Beamte fordern Gesetzesänderung
Eine solch skrupellose Vorgehensweise ist auch für den 28jährigen
Zivilfahnder Juan García* neu. Seit zehn Jahren patrouilliert
er auf der A 7 und gehört damit schon zu den alten Hasen der
Spezialeinheit. „Die Peruaner achten normalerweise darauf,
gewaltlos zu agieren.“ Rechtlich handelt es sich bei den Überfällen
um einfache Diebstähle, die bei der spanischen Gesetzeslage
nicht mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden. „Wir nehmen
ein und denselben Täter 50 bis 60mal fest, doch nach wenigen
Stunden geht er als freier Mann früher nach Hause als wir“,
erzählt der resignierte Beamte. Ohne eine entsprechende Gesetzesänderung
könne man das Problem nicht aus der Welt schaffen.
Private
Beweisfotos
Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum die Guardia
Civil der Machenschaften der Bande nicht Herr werden kann.
Eine Identifizierung der Täter anhand der von der Polizei
selber gemachten Fotos zählt nicht vor Gericht. Die Verhandlungen
jedoch sind teilweise so spät, daß sich die Opfer dann nicht
mehr recht erinnern können oder wollen. Ausländer müßten zur
Identifizierung der Täter nach Spanien kommen, dorthin, wo
man zum Opfer wurde. Eine Reise, die niemand gern antritt.
Die Guardia
Civil zeigte sich daher begeistert über Fotos, die ihr von
der CBN übergeben wurden. Diese zeigen Mitglieder der peruanischen
Bande, die in einem gestohlenen BMW einen erneuten Überfall
versuchen. Der CBN- Leser Günter D. hatte geistesgegenwärtig
die Kamera parat. „Mit diesen Aufnahmen können wir den Südamerikanern
den Raub des BMW nachweisen. Und dabei handelt es sich nicht
mehr um einen einfachen Diebstahl“, so Salvador Pérez*, Einsatzleiter
der Spezialeinheit.
Leben
auf der Autobahn
Die Arbeit der Gruppe besteht nicht nur in der Beobachtung
der Autobahn, "obwohl ich manchmal das Gefühl habe, die Hälfte
meines Lebens auf dem Asphalt zu verbringen", meint Zivilfahnder
García. Er ist auch für die Festnahmen der Täter nach der
Identifizierung durch die Opfer zuständig. "Es ist schwierig,
bei den Aufenthaltsorten der Peruaner auf dem laufenden zu
bleiben", erklärt er. "Sie sind nicht registriert und haben
keine Papiere.“ Oft werden die Delinquenten wegen schwerer
Delikte, die sie in ihrer Heimat begangen haben, von Interpol
gesucht.
Sie geben
daher bei ihren Festnahmen in Spanien Decknamen an. Bevorzugt
behaupten sie, aus Kuba zu kommen, genau wissend, daß die
Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden besonders schwierig
ist. So bleibt es meist bei einer Geldstrafe wegen Diebstahls.
Und es kam durchaus schon vor, daß die Polizisten den gleichen
Täter am nächsten Tag wieder vor sich sitzen hatten.
"Die
Bande ist sehr gut organisiert", erzählt Juan García. "Es
gibt Drahtzieher, die mit den Akteuren nur telefonisch in
Verbindung treten. Und auch die Diebe kennen sich untereinander
kaum." Daher ist die Arbeit mit Informanten aus den Kreisen
der Peruaner nicht besonders ergiebig. "Um überhaupt etwas
aus ihnen rauszukriegen, müssen wir ihnen beim Verhör schon
zusetzen."
La
Cagada de las Palomas
Die "Banda de los Peruanos" agiert aber nicht nur auf der
Autobahn. Auch in Barcelona selbst gelingt es ihr immer wieder,
Touristen mit den einfachsten Tricks zu berauben. "Bestes
Beispiel ist die "Cagada de las Palomas", erzählt Salvador
Pérez. Dem Ausländer wird vorgegaukelt, er sei mit Taubenmist
beschmutzt worden. Beim hilfsbereiten Abwischen der Kleidung
wird das arglose Opfer aber nicht von Exkrementen des Federviehs,
sondern von seiner Brieftasche befreit.
Aber
nicht nur die peruanische Bande ist hinter dem Geld der Touristen
her. "Wir kümmern uns auch um Diebstähle auf den Raststätten",
sagt der Leiter der Einsatzgruppe. Und hier hat es die Guardia
Civil nicht mit den "Peruanos" zu tun, sondern mit Marokkanern
und Algeriern. Wie durch geheime Absprache haben sich Nordafrikaner
und Südamerikaner die A 7 untereinander aufgeteilt: die Rastplätze
für erstere, der Rest für die Peruaner.
Die Nordafrikaner
arbeiten mit einem Kartentrick: Sie bitten einen Urlauber,
ihnen beim Lesen einer Straßenkarte zu helfen. Abgelenkt durch
die vor seiner Nase ausgebreitete Karte, bemerkt der Tourist
nicht, daß seine Habe währenddessen klammheimlich den Besitzer
wechselt.
In die
Fänge der Diebe geraten überwiegend ältere Menschen und Familien
mit Kindern. Die Täter wissen genau, daß ersterer Personenkreis
zunächst meist verwirrt reagiert und in letzterem Fall Familienväter
keine wilden Verfolgungsjagden riskieren.
Für
immer gelähmt
Wie gefährlich das Anhalten auf dem Seitenstreifen ist, zeigt
das Beispiel eines italienischen Ehepaares: Mit dem üblichen
Trick hatten Bandenmitglieder die Urlauber aus Italien zum
Halten veranlaßt. Die junge Frau stieg aus und wurde im nächsten
Moment von einem LKW erfaßt. Die 34jährige wird für immer
an den Rollstuhl gefesselt bleiben.
Leichtsinniges
Verhalten
Um zu vermeiden, Opfer von Übergriffen auf der Autobahn zu
werden, sollte man dringend einige Verhaltensregeln beachten.
Niemals sollte man auf dem Seitenstreifen anhalten. Falls
man dazu aufgefordert wird, handelt es sich in aller Regel
um einen Raubversuch. Wer ein Handy dabei hat, sollte die
Guardia Civil (Telefonnummer 062) anrufen. Diese kann dann
schnell reagieren und hat eine größere Chance, die Täter noch
auf der Autobahn zu erwischen.
Auf Rastplätzen
sollte man immer das Fahrzeug abschließen. Selbst wenn man
sich nur wenige Meter entfernt. Die Diebe schlagen blitzschnell
zu und sind sehr geschickt. Lassen Sie auch nie Ihren PKW
unbeaufsichtigt, wenn er gut sichtbar vollgepackt ist.
Während
der Patrouille auf der A 7 zeigen die Zivilfahnder zahlreiche
Beispiele einer leichtsinnigen Verhaltensweise auf: ein Ehepaar,
das sich von seinem nicht abgeschlossenen Wohnwagen entfernt.
Ein abseits abgestellter, vollgeladener PKW, während von den
Besitzern keine Spur zu sehen ist. 811 Diebstähle allein von
der „Banda de los Peruanos“ ist eine alarmierende Zahl, die
zu mehr Vorsicht mahnt.
Quelle
CBN 12. Mai 2000
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