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Das
neue Punktesystem in Spanien
Wer
sich als Nordeuropäer mit dem Auto auf Spaniens Straßen
traut, fühlt sich schnell wie in einem Land der Gesetzlosigkeit.
Die Straße erscheint als ein Zone rechtsfreien Raumes.
Verkehrsschilder dienen höchstens der Straßenverzierung.
Blinker an spanischen Fahrzeugen könnten von der Automobilindustrie
eigentlich eingespart werden.
Nirgendwo in Europa werden Verkehrsregeln dermaßen missachtet
wie in Spanien. Geschwindigkeitsbegrenzungen existieren reichlich,
doch wer sich daran hält, ist der Depp auf der Straße.
Links einordnen und dann rechts abbiegen, rote Ampeln sind
was für Weicheier, an Fußgängerüberwegen
halten höchstens Warmduscher.
Gas
geben ist in, den anderen zeigen, wo der Hammer hängt.
Der erste in der Schlange sein - oder der nächste auf
dem Friedhof. Resultat dieser wahnsinnigen Gesetzesmißachtung:
im europäischen Vergleich eine erschreckend hohe Unfallrate
auf Spaniens Straßen, insbesondere mit tödlichem
Ausgang. Wer an einem verlängerten Wochenende das Autoradio
einschaltet, bekommt regelmäßig eine Zwischenbilanz
der Verkehrsunfälle und -toten. So starben in der Osterwoche
2006 wieder 108 Verkehrsteilnehmer bei der kollektiven Raserei
in den Urlaub - oder in den Tod. Im Jahr zuvor waren es 105
Tote. Im Jahr 2005 kam es insgesamt zu 2.875 Unfällen
mit tödlichem Ausgang. Der spanische Automobilclub RACC
bescheinigt gerade zu den valencianischen Autofahrern einen
miserablen Fahrstil. Eine Studio aus dem Jahr 2004 belegt,
dass die Fahrer aus der Comunidad am wenigsten konzentriert
hinter dem Lenkrad sitzen.
Überhöhte
Geschwindigkeit, geringe Konzentration und Alkohol sind neben
Missachtung banalster Straßenverkehrsregeln die häufigsten
Auslöser schwerer Unfälle. Dieser Wahnsinn soll
nun gebremst werden - mit Punkten. Ab dem 1. Juli 2006 tritt
das neue Punktesystem in Kraft.
Wie
funktioniert das Punktesystem?
Anders
wie beim deutschen Punktesystem von Flensburg erhält
der Autofahrer keine negativen Punkte. Jeder registrierte
Autofahrer mit spanischem Führerschein bekommt zunächst
erst einmal 12 Punkte auf seinem Konto gut geschrieben. Wer
3 Jahre deliktfrei fährt erhält weitere 2 Punkte.
Einen weiteren Punkt gibt es für diejenigen Fahrer, die
sich weitere 3 Jahre nichts zu Schulde kommen lassen. So sind
max. 15 Punkte erreichbar.
Fahrer mit weniger als 3 Jahren Fahrpraxis beginnen hingegen
mit 8 Punkten. Ebenfalls fangen Fahrer mit 8 Punkten an, die
ihren Führerschein wegen eines Verkehrsdeliktes verloren
haben.
Nach
einem Punktekatalog werden dem Führerscheininhaber bei
Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung
neben der Geldstrafe Punkte abgezogen - bis das Konto aufgebraucht
ist. Null Punkten bedeutet Null Führerschein.
Wie
kann man verlorenen Punkte zurück bekommen?
Seinen
Punktestand kann der Autofahrer wieder auftanken, wenn er
sich freiwillig Auffrischungskursen unterzieht. Fällt
der Verkehrsteilnehmer 3 Jahre nicht wieder auf, werden im
ebenfalls seine verlorenen Punkte zurück erstattet.
Hat
ein Fahrer durch seine Fahrweise alle Punkte verloren, muss
er Auffrischungskurse besuchen. Allerdings muss er 6 Monate
warten, bis er den Führerschein wieder erhält, wenn
dieser das erste Mal entzogen wurde. Beim zweiten mal muss
er schon 12 Monate den Bus benutzen.
Seinen
Punktesaldo kann der Verkehrssünder jederzeit auf der
Seite www.dgt.es
abrufen.
Was
passiert mit ausländischen Führerscheininhabern?
Autofahrer
mit einem ausländischen Führerschein sind von diesem
Punktesystem befreit.
Da die Fahrerlaubnis ein Hoheitsrecht eines Staates darstellt,
kann zwar der Führerschein eingezogen und ein Fahrverbot
für Spanien verhängt werden, die Fahrerlaubnis kann
jedoch nur vom Ausstellerland entzogen werden.
Doch, schon ab 2007 greift eine neue EU-Richtlinie. Diese
besagt, dass alle Strafen, die in einem Land der EU verhängt
werden, auch im Heimatland vollstreckt werden.
Bis dahin zahlen ausländische Autofahrer lediglich die
im Strafkatalog
festgelegten Strafen.
Wofür
gibt es Punkteabzug?
Bei
besonders schweren Vergehen können da schnell mal sechs
Punkte auf einen Schlag weg sein. Das gilt beispielsweise
für Alkohol am Steuer (über 0,50 mg/l), das Fahren
in eine falsche Fahrtrichtung bzw. mit verwegenem Fahrstil
sowie eine Überschreitung des Tempolimits von 50%. Der
Punktekatalog sieht derzeit folgende Punktabzüge vor:
Sechs
Punkte Abzug
- Fahren mit einem Alkoholspiegel von 0,5 mg/l
- Fahren mit Betäubungsmittel (Rauschgift)
- Verweigerung der Alkoholprobe
- Verkehrsgefährdende Fahrweise
- Fahren in entgegengesetzter Richtung
- Geschwindigkeitsüberschreitung von 50%
- Überschreiten der erlaubten Lenkzeiten um 50% (Berufsfahrer)
Vier
Punkte Abzug
- Fahren mit einem Alkoholspiegel von 0,25 mg/l
- Fahren auf der Autobahn mit nicht erlaubten Fahrzeugen
- Besetzung des Fahrzeuges mit 50% mehr Personen als erlaubt
- Fahren eine Fahrzeuges ohne die entsprechende Fahrerlaubnis
- Gegenstände aus dem Fenster werfen, die einen Brand
oder Unfall verursachen können
- Verstoß gegen Vorfahrtsregeln oder Stoppzeichen
- Rückwärtsfahren auf der Autobahn
- Fahrzeug beim Überholen behindern
- Nichtbefolgen von Anweisungen von Verkehrspolizisten oder
Ampeln
Drei
Punkte Abzug
- Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes (zu dichtes Auffahren)
- Telefonieren beim Autofahren
Zwei
Punkte Abzug
- Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
um 20 km/h
- Parken und Halten an gefährlichen Stellen oder Haltestellen
- Benutzung von Geräten, die Radarstellen aufspüren
- Fahren ohne Beleuchtung
- Fahren ohne Sicherheitsgurt oder Helm (Motorrad)
Ausführliche
Informationen über das neue Punktesystem erhält
man außerdem in spanischer Sprache auf der Website www.permisoporpuntos.es.
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