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Das Klima an der Costa Blanca - Gesundheit nebenbei

Was manch einer ungläubig belächelt, wird von betroffene Neurodermitis- und Astma- Patienten als Erlösung empfunden. Sie siedeln an die Costa Blanca über und schon gehen die Beschwerden zurück. Medikamente gehören der Vergangenheit an.

Ärzte führen die Genesung auf das Klima am Mittelmeer zurück: "Die viele Sonne, die geringere Luftfeuchtigkeit tun einfach gut."

Viele Fälle bestätigen, was die Weltgesundheitsorganisation schon vor Jahren festgestellt hat: Die Costa Blanca zählt zu den gesündesten Klimazonen der Erde. Vor allem für ältere Menschen mit Rheuma- oder Gichtbeschwerden, mit Hautproblemen sei das extrem ausgeglichene Klima geradezu ideal. Das ist für viele Nordeuropäer denn auch ein Grund, ganz oder teilweise ihren Wohnsitz an die Costa Blanca zu verlegen.
Aber ist die Costa Blanca wirklich die glücklich machende Sonnenseite des Lebens? Ein allheilender Jungbrunnen? Was hat das Küstenklima, was andere Regionen nicht haben? Seit Jahrzehnten beschäftigt diese Frage Ärzte und Klimaexperten.Strandwetter

Die Gesundheitswelle rollt
Schon lange vor der heutigen Tourismus- und Auswanderungswelle entdeckten Ärzten das Klima als eine vorzügliche Heilmethode für Körper und Seele. Das gute Wetter war schon Ende des 19. Jahrhunderts Alicantes Anziehungspunkt Nummer eins. Woran es damals jedoch noch haperte, war eine adäquate Infrastruktur, um Stadt und Region für den Winter-Urlauber attraktiv zu machen.
Heute wohnen fast 300.000 Einwohner in Alicante. Zusätzlich leben ca. 300.000 Nord- und Mittel-Europäer ganz oder teilweise in der Provinz, 5,3 Millionen Urlauber zählte das Nationale Statistik-Institut selbst noch im Oktober 2001. Die Mehrheit sucht Sonne, Wärme, Erholung.

Die Zahlen und Fakten geben ihnen Recht. In der Provinz Alicante werden rund 3.000 Sonnenstunden im Jahr gemessen. In Deutschland etwa muss man sich im Schnitt mit weniger als der Hälfte begnügen. An manchen Winter- oder Sommertagen lässt sich die Sonne wochenlang gar nicht blicken. Mit einem Jahresmittel von 18,2 Grad Celsius und durchschnittlich 70 Prozent Luftfeuchtigkeit ist die Region in einer gemäßigt-warmen Klimazone angesiedelt.

Auch Ärzte sind notwendig
Doch auch an der Costa Blanca sind Ärzte notwendig. So ist die Liste der deutschsprachigen Mediziner in der Provinz Alicante lang. Von Akupunktur bis Zahnärzte ist alles vertreten, was Leiden lindert und heilt. Das Angebot lässt auf eine rege Nachfrage schließen. Und das, wo doch fast behauptet wird, Blinde können wieder gehen und Lahme wieder sehen.

Wettervorhersage, Wettermeldungen, KlimaNun ja, das Klima am Mittelmeer kuriert fast alles vom kleinsten Wehwehchen bis hin zu schwerwiegenden Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Hautkrankheiten. Das sei auch so, sagen in der Provinz Alicante praktizierende Mediziner. Zwar werde immer wieder beobachtet, dass bei einer Umsiedlung an die Küste nicht 100-prozentig ausgeheilte Krankheiten noch einmal richtig ausbrechen, aber danach geht es den Betroffenen in der Regel besser.

Wenn das konstant milde Klima zum Tragen kommt, haben Herz-Kreislauf- oder auch zuckerkranke Patienten Grund zur Freude: Normalerweise sinkt der Bluthochdruck, Zuckerwerte bessern sich. Deshalb aber auch der Rat vom Mediziner: "Wer etwa zu Hause jenseits der Pyrenäen eine bestimmte Medikamenten- oder Insulin-Dosis verschrieben bekommen hat, sollte sich hier vor Ort noch mal genau einstellen lassen."

Gesünder im hohen Alter
Ärzte glauben durchaus, dass sich die individuelle Lebensqualität durch die Auswanderung vom kalten, bedeckten Norden ans sonnige warme Mittelmeer auch im fortgeschrittenen Alter noch erhöhen lässt. Die Knochen tun nicht so weh, durch die erhöhte Ausschüttung des körpereigenen Eiweißes Endorphin ist man einfach besser gestimmt. Kurzum: Wer sich in seiner Haut wohl fühlt, dem geht es auch sonst gut.

Stichwort Haut. "Die salz- und jodhaltige Luft sorgt bei einer ganzen Reihe von Hautkrankheiten für Linderung und Heilung", sagen Dermatologen aus Torrevieja. Die Hälfte der Hautkrankheiten sind Ekzeme verschiedenster Art. Durch die reizstoffarme Luft in Meernähe wird in vielen Fällen eine durchgreifende Genesung erreicht. Dabei sei das mediterrane Klima verträglicher als etwa das der Nordsee, denn es ist lange nicht so rauh.

Auch Schattenseiten
Andere Ärzte entdecken im mediterranen Klima nicht nur gesundheitsfördernde Vorteile. Sie sagen, Neurodermitis sei noch immer eine "unbekannte Krankheit". Wärme und Sonne hätten zwar immer eine heilende Wirkung, aber eine Heilungs-Garantie sei dies nicht. Auch machten die oft große Hitze älteren Menschen eher zu schaffen. In solchen Fällen ist es daher wohl klüger, die extrem heißen Sommermonate im kühleren Norden zu verbringen.

Temperaturen, Luftdruck, KlimawerteÜberhaupt wissen alle Ärzte auch von den Schattenseiten des Sonnenklimas zu berichten. Rheumapatienten müssen mehr auf sich aufpassen, denn die Knochen bekommen die hohe Luftfeuchtigkeit besonders zu spüren. Die ständigen, bisweilen frischen Meeresbrisen könnten Ursache für Kiefernhöhlen- oder gar Gelenkentzündungen sein.

Auf die erhöhte Infektionsgefahr in warmen Regionen weisen andere Ärzte hin. So seien etwa Mückenstiche nicht zu unterschätzen. Sie eitern schneller und können dank hoher Temperaturen leicht zu bakteriellen Infektionen führen.

Schlechte Karten haben auch Allergiker. Laut der spanischen Allergie- und Immunologie-Gesellschaft SEAIC ist im Land Valencia und auf den Balearen vor allem die zunehmende allergene Belastung durch Glauskraut (Parietaria judaica) zu beobachten. Fast 100 Prozent aller Allergiker reagierten auf diesen Pollen mit Heuschnupfen. Besonders in trockenen Frühjahren. Aber auch Zypressen- und Pinienallergiker haben an der Costa Blanca im Frühjahr nichts zu lachen. Ist dies überstanden, kommen im Sommer Oleander und Olive hinzu. Und Stauballergiker werden hierzulande sowieso jederzeit betroffen sein.

Und die Psyche?
Immer wieder weisen Mediziner darauf hin: Selbst wer nicht ganz geheilt wird, dem geht es dennoch mental besser. Leiden werde gelindert und der Betroffene kann so besser mit seiner Krankheit umgehen. Aber wie sieht es mit der Psyche selbst aus? Ist der Wahlspanier vor Melancholie, Traurigkeit oder gar Depression gefeit?

Viele Leute kommen tatsächlich wegen des Klimas, aber auch mit großen Illusionen, hier ganz neu anzufangen. Aber: Wer zu Hause eine ungelöste Situation hinterlassen hat, den holt es irgendwann wieder ein. Wer glaubt, vor Problemen weglaufen zu können, der hat es hier unter Umständen sogar noch schwerer: Kontakte mit den Daheimgebliebenen sind weniger intensiv, der Austausch über Telefon oder per Brief birgt ein großes Konfliktpotenzial. Hinzu kommt, dass die Neubürger hier oft kein soziales Netz haben, sich schwer integrieren, in Isolation leben. Die Folge im Extremfall: Depressionen.

"Aber", so die Psychologen, "depressiv veranlagten Menschen geht es im warmen, sonnigen Klima sicherlich besser." Sonne allein mache zwar nicht glücklich, aber sie trage entschieden zum Wohlbefinden bei. Dann kann die Rechnung, gesund leben bis ins hohe Alter an der Costa Blanca, aufgehen.

Rückfall in der (k)alten Heimat
Und auch hiervon wissen Betroffene immer wieder zu berichten - natürlich ist es für viele und gerade ältere Menschen keine leichte Entscheidung, Deutschland zu verlassen. Aber wer Asthma und andere chronische Krankheiten kennt, der tut alles, damit es sich und seinen Angehörigen besser geht. "Sobald wir nach Deutschland gehen, tauchen die fast vergessenen Symptome wieder auf."

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