Für viele Menschen in Spanien gehört sie zum Supermarktbesuch einfach dazu: die Fischtheke. Der Geruch nach Meer, das Eis unter den Doraden, Wolfsbarschen und Gambas, der kurze Blickkontakt mit dem Pescadero, die Frage: „¿Me lo limpias?“ – „Machen Sie ihn mir bitte sauber?“ Und dann dieses kleine Ritual, das man aus deutschen Supermärkten oft gar nicht in dieser Form kennt: Fisch kaufen ist in Spanien nicht nur Einkauf, sondern auch ein Stück Alltag, Kultur und Vertrauen.

Doch genau dieses Bild verändert sich nun spürbar. Mercadona, eine der größten Supermarktketten Spaniens, stellt sein Fischsortiment um. Die traditionelle Mercadona Fischtheke mit Bedienung verschwindet in vielen Märkten beziehungsweise wird durch ein neues System ersetzt: Fisch in vorbereiteten, verpackten Schalen, bereits gesäubert, filetiert, portioniert oder als küchenfertige Stücke angeboten.

Das bedeutet nicht, dass es bei Mercadona künftig keinen Fisch mehr gibt. Aber es bedeutet sehr wohl: Der Einkauf wird unpersönlicher, schneller, standardisierter – und für viele Kunden auch ein Stück ärmer.

Mercadona verändert den Fischverkauf in Spanien: Klassische Fischtheken verschwinden vielerorts, abgepackter Fisch nimmt zu. Was das für Kunden, Einkaufskultur und Supermärkte bedeutet.

Fische in einer Fischtheke im Supermarkt Mercadona in Torrevieja.
Die Mercadona Fischtheke war für viele Kunden lange ein fester Bestandteil des normalen Einkaufs in Spanien.

Vom Pescadero zur Plastikschale

Mercadona nennt als Grund für die Umstellung vor allem Effizienz und neue Einkaufsgewohnheiten. Viele Kunden wollen heute schnell durch den Supermarkt, ohne Nummer zu ziehen, ohne zu warten und ohne lange zu überlegen, welchen Fisch sie wie zubereiten lassen. Stattdessen greifen sie zur fertigen Packung: Lachsfilet, Doradenfilet, Seehecht in Scheiben, Kabeljau, Garnelen oder andere vorbereitete Produkte.

Aus Sicht des Unternehmens ist das logisch. Vorbereitete Ware lässt sich einfacher kalkulieren, leichter verteilen und schneller verkaufen. Auch Personal, Abläufe und Lagerung werden vereinfacht. Was früher vom Fachpersonal in der Filiale erledigt wurde, verlagert sich stärker in die vorgelagerte Verarbeitung.

Für den Kunden heißt das: weniger Wartezeit, weniger Unsicherheit, mehr Bequemlichkeit.

Aber eben auch: weniger Auswahl, weniger Beratung und weniger echtes Marktgefühl.

Warum dieser Schritt viele Menschen trifft

Gerade in Spanien hat Fisch traditionell einen ganz anderen Stellenwert als in vielen anderen Ländern Europas. Fisch ist hier kein Nischenprodukt für besondere Anlässe. Er gehört in vielen Familien ganz selbstverständlich auf den Tisch – ob gegrillt, gebraten, im Ofen, in Paella, als Eintopf, Suppe oder einfach mit etwas Olivenöl, Knoblauch und Zitrone.

Die Fischtheke war dabei immer ein Ort, an dem man nicht nur gekauft, sondern auch gefragt hat: Ist der frisch? Wie mache ich den am besten? Soll ich ihn ganz lassen? Filetieren? Für den Ofen vorbereiten? Für Brühe den Kopf mitnehmen?

Genau diese kleinen Dinge verschwinden, wenn Fisch nur noch fertig verpackt im Regal liegt. Die Packung antwortet nicht. Sie kennt keine Rezepte, keine Vorlieben, keine Familiengewohnheiten.

Und sie gibt auch keine Reste mit, die früher selbstverständlich verwendet wurden: Köpfe, Gräten oder Abschnitte für Fischfond, Suppen oder Reisgerichte. Gerade in einer Küche, die viel aus Resten und Geschmackstiefe macht, ist das mehr als nur ein Detail.

Bequemer, aber nicht unbedingt besser

Natürlich hat das neue System Vorteile. Wer wenig Zeit hat, wer sich mit Fisch nicht auskennt oder wer einfach schnell etwas für die Pfanne sucht, findet vorbereitete Ware praktisch. Kein Warten, kein Erklären, kein Geruch an den Händen, keine Unsicherheit bei der Zubereitung.

Für jüngere Kunden oder kleinere Haushalte kann das attraktiv sein. Viele kochen heute anders als früher: schneller, einfacher, weniger aufwendig. Der ganze Fisch im Ofen wird seltener, das fertige Filet häufiger.

Aber der Preis dieser Bequemlichkeit ist sichtbar: Mehr Verpackung, weniger Flexibilität und oft ein anderer Kilopreis. Denn wer bereits geschnittenen, gereinigten und vorbereiteten Fisch kauft, bezahlt nicht nur das Produkt, sondern auch die Verarbeitung, Verpackung und Logistik.

Der Fisch wird dadurch nicht automatisch schlechter. Aber der Einkauf verändert seinen Charakter.

Frische Fische in einer Fischtheke im Mercadona in Orihuela-Costa.
Mit der Veränderung der Mercadona Fischtheke zeigt sich, wie stark sich der moderne Supermarktalltag inzwischen wandelt.

Ein Stück Spanien verschwindet aus dem Supermarkt

Man kann diesen Wandel nüchtern betrachten: Mercadona optimiert sein Ladenmodell. Punkt.

Man kann ihn aber auch als Zeichen einer größeren Entwicklung sehen. Spanien verändert sich. Der klassische Einkauf am Markt, beim Metzger, beim Bäcker oder an der Fischtheke wird Schritt für Schritt ersetzt durch schnellere, effizientere und stärker standardisierte Lösungen.

Das passiert nicht nur bei Mercadona. Es ist Teil eines größeren Trends: weniger Bedienung, mehr Selbstbedienung. Weniger Gespräch, mehr Regal. Weniger Handwerk vor Ort, mehr industrielle Vorbereitung im Hintergrund.

Für manche ist das Fortschritt. Für andere ist es ein Verlust.

Denn gerade an der Fischtheke ging es nie nur um Fisch. Es ging um Nähe, Routine, Vertrauen und ein Stück mediterrane Alltagskultur.

Was bedeutet das für Kunden an der Costa Blanca?

Auch für Menschen in Torrevieja, Orihuela Costa und der Vega Baja ist diese Entwicklung interessant. Viele deutschsprachige Residenten und Urlauber kaufen regelmäßig bei Mercadona ein, weil die Märkte gut erreichbar, übersichtlich und verlässlich sind.

Wer bisher dort frischen Fisch an der Theke gekauft hat, wird sich auf Veränderungen einstellen müssen. Je nach Filiale kann das Sortiment künftig stärker aus verpackten, vorbereiteten Produkten bestehen. Das ist praktisch, aber nicht dasselbe.

Wer weiterhin klassische Fischtheken mit persönlicher Bedienung sucht, wird stärker auf andere Anbieter ausweichen müssen: lokale Märkte, Fischgeschäfte, Wochenmärkte oder andere Supermarktketten, die noch am traditionellen Modell festhalten.

Gerade in einer Küstenregion wie Torrevieja lohnt sich dieser Blick. Denn frischer Fisch gehört hier zur Umgebung wie Salzseen, Meer und mediterrane Küche.

Kein Ende des Fischs – aber das Ende eines Rituals

Mercadona verkauft weiterhin Fisch. Aber die Art, wie Fisch verkauft wird, verändert sich deutlich.

Die klassische Fischtheke mit Pescadero, Eisfläche, Beratung und individueller Zubereitung verliert ihren Platz. An ihre Stelle treten vorbereitete Packungen, Kühlregale und ein schnellerer, modernerer Einkauf.

Für viele Kunden ist das bequem. Für andere ist es schade.

Denn manchmal merkt man erst, was ein Stück Alltag bedeutet, wenn es verschwindet. Die Fischtheke war nie nur eine Abteilung im Supermarkt. Sie war ein kleines Stück spanisches Leben – laut, frisch, manchmal chaotisch, aber ehrlich.

Und genau deshalb wird ihr Verschwinden vielen Menschen mehr auffallen, als Mercadona vielleicht erwartet.

Fische in einer Fischtheke im Supermarkt Mercadona in Torrevieja.
Für viele Stammkunden bedeutet das Verschwinden der Mercadona Fischtheke nicht nur weniger Auswahl, sondern auch weniger persönliche Beratung.

Was dabei verloren geht

Natürlich wird man uns diesen Wandel wieder mit vielen Vorteilen erklären. Und manche davon sind nicht einmal falsch: weniger Wartezeit, schnellere Abläufe, gleichmäßig vorbereitete Portionen, längere Planbarkeit, hygienische Verpackung, weniger Personalaufwand, klarere Preise und ein Einkauf, der angeblich besser zum modernen Alltag passt. Für Menschen, die nur schnell ein Filet aus dem Kühlregal nehmen möchten, mag das tatsächlich praktisch sein.

Aber trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack.

Denn an der Fischtheke ging es eben nicht nur darum, ein Stück Fisch zu kaufen. Es ging auch um den kurzen menschlichen Kontakt. Um die Verkäuferin oder den Verkäufer, die man fragen konnte: „Welcher Fisch ist heute besonders gut?“ Oder: „Wie mache ich den am besten im Ofen?“ Man konnte sagen, ob der Fisch ganz bleiben, filetiert, ausgenommen, in Scheiben geschnitten oder für die Pfanne vorbereitet werden sollte. Man bekam manchmal einen kleinen Tipp zur Zubereitung, einen Hinweis auf die Frische oder einfach ein freundliches Gespräch dazu.

Genau dieses Menschliche verschwindet immer mehr aus dem Alltag. Erst verschwinden die klassischen Bedienbereiche, dann kommen automatische Kassen, digitale Bestellsysteme, Selbstbedienungsterminals, Chatbots statt Ansprechpartner, Apps statt Beratung, Nummernautomaten statt Gespräch, verpackte Ware statt persönlicher Empfehlung. Alles wird effizienter, schneller und standardisierter – aber eben auch kälter.

Am Ende spart der Supermarkt Zeit, Personal und Kosten. Der Kunde bekommt eine saubere Packung aus dem Regal. Was fehlt, ist das Lächeln, die Erfahrung, der kleine Rat am Rand und das Gefühl, nicht nur abgefertigt zu werden. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Verlust: Nicht der Fisch verschwindet aus dem Supermarkt, sondern ein weiteres Stück persönlicher Alltagskultur.

Ab wann verschwinden die Fischtheken bei Mercadona?

Einen einheitlichen Termin, ab dem alle Fischtheken bei Mercadona verschwinden, gibt es nach aktuellem Stand nicht. Die Umstellung erfolgt schrittweise im Rahmen des neuen Ladenmodells. In renovierten oder neu angepassten Filialen wird die klassische Fischtheke zunehmend durch abgepackten, vorbereiteten Fisch in Kühlregalen ersetzt.

Kunden sollten sich daher darauf einstellen, dass diese Veränderung nicht überall gleichzeitig kommt. In manchen Märkten kann die klassische Fischtheke vorerst noch vorhanden sein, während andere Filialen bereits stärker auf vorbereitete Ware setzen. In den nächsten Monaten und Jahren dürfte dieser Wandel jedoch immer sichtbarer werden.

Die Mercadona Fischtheke mit persönlicher Beratung.
Mit der Zeit wusste die Verkäuferin an der Mercadona Fischtheke oft schon, welchen Fisch man bevorzugt, wie man ihn geschnitten haben möchte und welcher kleine Tipp zur Zubereitung passt – und genau dieser nette Plausch, dieses kurze persönliche Gespräch im Alltag, fällt nun ebenfalls weg.

Kurz zur Geschichte von Mercadona

Mercadona wurde 1977 in Valencia gegründet und entwickelte sich von einem regionalen Familienunternehmen zu einer der wichtigsten Supermarktketten Spaniens. Heute gehört Mercadona für viele Menschen fest zum Alltag – ob in Großstädten, Küstenorten oder Wohngebieten wie Torrevieja und Orihuela Costa. Genau deshalb haben Veränderungen bei Mercadona oft Signalwirkung.

Wenn eine Kette dieser Größe klassische Bedienbereiche wie die Fischtheke zurückfährt und stärker auf abgepackte Ware setzt, ist das nicht nur eine interne Geschäftsentscheidung. Es zeigt auch, wie sich der Einkauf in Spanien insgesamt verändert: schneller, standardisierter und effizienter – aber eben auch weniger persönlich.

Vielleicht ist genau das der Punkt: Mercadona hat Spanien den modernen Supermarkt nähergebracht – nun zeigt sich, welchen Preis diese Modernisierung manchmal hat.

Bleibt Carrefour der klassischen Fischtheke treu?

Bleibt zu hoffen, dass Carrefour und andere Supermärkte diesem Beispiel nicht einfach folgen. Denn wenn am Ende überall nur noch abgepackte Ware in den Kühlregalen liegt, verschwindet nicht nur eine Verkaufstheke, sondern ein Stück Einkaufskultur. Gerade in Spanien gehört die Fischtheke für viele Menschen zum normalen Supermarktbesuch dazu: sehen, fragen, auswählen, schneiden lassen, einen Tipp mitnehmen. Wenn auch das nach und nach durch Plastikschalen, Selbstbedienung und schnelle Standardlösungen ersetzt wird, wird der Einkauf zwar moderner – aber auch deutlich unpersönlicher.

Mehr Einkaufsmöglichkeiten rund um Torrevieja entdecken

Wer nicht nur bei Mercadona einkauft, findet in Torrevieja, Alicante und Orihuela Costa zahlreiche weitere Möglichkeiten – von modernen Einkaufszentren über große Supermärkte bis hin zu Geschäften, Boutiquen und Märkten für den täglichen Bedarf.

👉 Hier geht es zur Übersicht der Einkaufszentren in Torrevieja, Alicante und Orihuela Costa: https://www.torrevieja.de/einkaufszentren-torrevieja-alicante-orihuela/